Die CEOs der Zukunft sind weiblich
Noch immer stellt sich die Frage, warum es nicht mehr Frauen in Positionen schaffen, welche massgeblich die Zukunft eines Unternehmens beeinflussen. Hartnäckig halten sich diverse Meinungen rund um dieses Thema. Noch sind wir weit davon entfernt, weibliche Führungskräfte und CEOs als das zu sehen, was sie sind, nämlich anders. Doch es gibt gute Neuigkeiten: Verschiedene Studien zeigen (McKinsey 2020, Bain & Company 2020), dass Frauen ein neues Gesellschaftsmodell prägen werden. Doch der Weg ist lang.
Was Frauenkarrieren bremst
Was mir als Gründerin eines auf Frauen spezialisierten Weiterbildungsunternehmens bei dieser Diskussion immer wieder ins Auge sticht, ist das Auseinanderklaffen zwischen angenommenen und realen Gründen, warum es Frauen nicht oder nur selten in die Chefetagen schaffen. Allen voran wird davon ausgegangen, dass die Erwerbsunterbrechungen zur Familiengründung der primäre Grund sind, dass Frauen nicht gleichermassen Karriere machen wie ihre männlichen Kollegen. Eine Studie von Bain & Company zeigt deutlich, dass andere, kaum messbare Aspekte viel schwerer wiegen. Zu diesen entscheidenden Faktoren gehören nach wie vor männlich geprägte Rollenerwartungen, mangelnde Unterstützung der Vorgesetzten und fehlende Rollenvorbilder. Und noch immer werden Erfolg und Leistung so gemessen, dass Männer diese Kriterien leichter erfüllen können als Frauen, weil viele der Messkriterien männlich konnotiert sind oder zumindest eher mit Männern assoziiert werden.
Frauen werden das Management künftig entscheidend prägen.
Frauen auf der falschen Schiene - will heissen?
Das Research Institute der Bank Credit Suisse untersuchte weitere Gründe für den Gender-Gap bei Top-Positionen und fand eine Antwort, die aufhorchen lässt: Frauen seien von Anfang an «auf der falschen Schiene». Frauen würden ihren beruflichen Weg weniger bewusst und karriereorientiert gestalten. Zudem beeinflussen stereotype Rollenbilder die Berufswahl junger Menschen bereits stark. So kann eine Entscheidung für ein Germanistikstudium oder die Übernahme einer Stabsstelle im Unternehmen (z. B. Human Resources, Rechtsabteilung) bereits zu Nachteilen führen, da signifikant häufiger Personen aus Positionen mit operativer Verantwortung (u.a. Chief Operating Officer) in Top-Positionen landen. Festgefahrene kulturelle Muster, die oftmals das Selbstvertrauen von Mädchen nicht gerade fördern, erschweren von Anfang an den Weg einer selbstbestimmten Karriere. Doch auch wenn Frauen die «richtigen» Fächer studieren, scheinen sie nicht wirklich vorwärts zu kommen. Eine Studie der Harvard Business Review zeigte schon 2014, dass 52 Prozent der weiblichen Technikerinnen die Technologiebranche in der Mitte ihrer Karriere wieder verlassen, fast doppelt so häufig wie Männer. Hauptgrund ist nicht etwa die Familienplanung, sondern ein als feindselig empfundenes Arbeitsumfeld und Löhne, die deutlich tiefer liegen als die der männlichen Kollegen.
Was muss sich ändern, damit Frauen es als lohnenswert erachten, ihre Karrieren mit Nachdruck zu verfolgen und in ihren Jobs zu bleiben? Wünschenswert wäre ein Arbeitsumfeld, das die Andersartigkeit von Mann und Frau wertschätzt statt plattmacht. Des Weiteren Unternehmenskulturen, die Raum schaffen für Rollenbilder jenseits der Macho-Kultur und Gewinnmaximierung. Was Powerfrauen der Zukunft zudem benötigen, ist ein Gesellschaftsmodell, das sich von kulturell geprägten Stereotypen lösen kann, damit sie einen selbstbestimmten Weg einschlagen können.